UNTERBRECHUNG #32

KARWOCHE 2026
DIE STILLE DER DINGE XI – DIE STILLE DES HOLZES
30.03. – 03.04.2026 · Lutherkirche

Mo 30.03. · 20.00h · UBKW #29 · GEDULD
Di 31.03. · 20.00h · UBKW #30 · SELBSTLOSIGKEIT
Mi 01.04. · 20.00h · UBKW #31 · VERANTWORTUNGSLOSIGKEIT
Do 02.04. · 19.00h · Mahlgottesdienst
Fr 03.04. · 11.30h · UBKW #32 · Karfreitagsgottesdienst

#30 & #32 Malina Mantcheva · Violine
#29 – #32 Verena Barié · Holzflöten/Elektronik
#29 – #32 Rochus Aust · Holztrompeten/Raumordnung

#32 Pfarrer Mathias Bonhoeffer

mit
Rochus Aust/Verena Barié · Gerade I (2026) · Installation
Verena Barié /Rochus Aust · Gerade II (2026) · Installation

 

 
 

DIE STILLE DER GEDULD
Geduld zu haben (G1), geduldig zu sein (G2) und Geduld auszuüben (G3) sind drei grundverschiedene Angelegenheiten und doch ergeben sie zusammen die Urformeln der Stille, nämlich die des Stilleinnehabens (S1), des Stillseins (S2) und des Stilleausübens (S3).
Während G1 & G2 näher beieinander liegen und G3 etwas abgerückt scheint, können S2 und S3 zusammen unendlich weit von S1 entfernt sein (müssen sie aber nicht).
Sehr vereinfacht auf den Baum und damit in letzter Konsequenz auf das Holz angewendet, bildet seine Struktur G1 aus S1, vereint sein Material G2 mit S2, definiert durch sein Wachstum die Maßeinheiten für G3 und S3 und bringt damit die Geschwindigkeit (V) an den Rand der Verzweiflung (oder abverlangt ihr mindestens Einiges).

Die Geometrie der Stille bleibt immer ein Kegelstumpf, die Geometrie der Geduld aber darf in ihrer Gänze von der Reinheit des Zylinders träumen.
Die Stille des Holzes kann dagegen jegliche Formen (geometrisch oder auch nicht) annehmen. Sie bleibt ewig und hat die schönsten Wunschträume simultan mit den schlimmsten Alpträumen (die machmal sogar dieselben sind).

DIE STILLE DER SELBSTLOSIGKEIT
Das Holz selbst ist erhaben, weswegen es auch so unermüdlich selbstlos sein kann. In aller Stille wächst es, wärmt es, schützt es, führt es, überbrückt es, schwimmt es, rollt es, fliegt es, stützt es und nützt es. Seine bedingungslose Selbstlosigkeit und ihre schlichte Stille sind beispiellos, weswegen das Holz auch so erhaben sein kann.

Bei aller Geduld, Selbstlosigkeit, Stille und Geometrie verhält es sich aber wie bei einer Münze: auf den Rand kommt es an. Er entscheidet, welche Fläche nach unten fällt. An ihm kristallisieren sich Glück und/oder Verzweiflung.

DIE STILLE DER VERANTWORTUNGSLOSIGKEIT
Doch wenn wir den Rand betrachten wird es ungemütlich, denn so still, so geduldig, so selbstlos das Holz auch ist, so stur und verantwortungslos geht es durch die Jahrtausende. Für wen wächst es, wen wärmt und schützt es und vor allem wem nützt es?
Das Holz lässt sich vereinnahmen, es klagt nie und bleibt ruhig, egal, welche Fahne an ihm gehisst wird, wer mit ihm verbrannt wird oder wer wen an es dran nagelt.
Im Gegenteil; es kompensiert mit seiner stoischen Stille, die Ohnmacht, die Schreie und den Schmerz.
Völlig unklar bleibt, wie das Holz es dabei noch schafft, Trost zu spenden.